Zwischen fremden Blicken und echter Verantwortung.

STUDIO SCHNAUZ im Gespräch mit Hundetrainerin Vanessa von Born with Paws.

Maulkörbe gehören zu den am meisten missverstandenen Hilfsmitteln im Hundetraining. Sie stehen oft für Scham, Rechtfertigung und die Angst, bewertet zu werden. Für viele fühlen sie sich wie ein Eingeständnis des Scheiterns an – dabei können sie in der professionellen Arbeit genau das Gegenteil bewirken: Sicherheit, Entlastung und die Möglichkeit, überhaupt wieder handlungsfähig zu werden.

Im Gespräch mit Hundetrainerin Vanessa von Born with Paws geht es um diesen Perspektivwechsel. Um die Frage, was passiert, wenn wir den Blick von außen loslassen und anfangen, Verantwortung zu übernehmen - für unseren Hund und für uns selbst. Anhand konkreter Erfahrungen aus ihrer Arbeit, unter anderem mit dem Trainingshund Buddy, spricht Vanessa über die psychische Wirkung von Absicherung, über Mensch-Hund-Teams unter Stress und darüber, warum ein Maulkorb im Training kein Rückschritt ist, sondern oft der Beginn echter Veränderung.

Der SchnauzTalk mit Vanessa

S C H N A U Z
Vanessa, du arbeitest als Hundetrainerin auch mit auffälligen und herausfordernden Hunden. Welche grundsätzliche Haltung hast du zum Thema Maulkorb im Training?

V A N E S S A
Maulkörbe sind ein unglaublich wichtiges Tool im Training. Ich komme oft in Familien, die sich zuvor noch gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben, jedoch einen Hund haben, der bei Diskussionen seine Zähne einsetzt.. Wir nähern uns dann gemeinsam dem Thema an und bringen damit das Training damit auf eine ganz andere Ebene.  

 

S C H N A U Z
Maulkörbe werden oft als Einschränkung wahrgenommen. Welche psychologische Wirkung hat es aus deiner Sicht, wenn ein Hund im Training durch einen gut passenden Maulkorb abgesichert ist?

V A N E S S A
Der größte Effekt zeigt sich tatsächlich bei den Menschen. Sie werden selbstsicherer im Umgang mit ihrem Hund, können Konflikte ruhig und klar zu Ende führen und der Hund lernt somit, dass sein Mensch in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, dran zu bleiben und zu führen. Das lässt auch den wütendsten Hund über die Zeit zu einem entspannten Begleiter werden.

 

S C H N A U Z
Du hast viel Erfahrung mit Mensch-Hund-Teams, die unter hohem Stress stehen. Was verändert sich bei den Halter:innen, wenn der Hund im Training einen Maulkorb trägt?

V A N E S S A
Oft mache ich die Erfahrung, dass der Mensch nicht nur entspannter und ruhiger agiert, sondern seinen Hund plötzlich auch anfassen kann, nicht nur über Hilfsmittel am Halsband oder Leine, sondern so direkt am Körper. Das hebt Gespräche auf eine ganz andere Ebene, der Hund fühlt sich dadurch ganz anders wahrgenommen.

 

S C H N A U Z
Lass uns das an einem konkreten Beispiel festmachen. Du hast mit Buddy (Rasse) gearbeitet. Einem Hund, der im Alltag auffällig reagiert hat. Wie war die Situation vor dem Training mit Maulkorb?

V A N E S S A
Buddy ist ein Hund, der gerne alles zu seinen Bedingungen entscheiden möchte und hierbei sehr strategisch vorgegangen ist. Als wir diese Strategien im Training aufgedeckt haben, und Buddy lernen durfte, dass auch seine Menschen entscheidungsfähig sind, hat er angefangen zu rebellieren, zunächst nur laut und mit viel Energie, als ihm hier mit Ruhe und dran bleiben entgegen getreten wurde, war sein nächster Schritt seine Zähne einzusetzen. Ab da wurde es schwierig und die Menschen zurecht unsicher…

 

S C H N A U Z
Und was hat sich im Training verändert, nachdem Buddy mit Maulkorb abgesichert war?

V A N E S S A
Buddy ist dann abgesichert auch nicht mehr mit der Strategie Zähne einsetzen weitergekommen. Die Halter haben sich schon davor extrem weiterentwickelt und haben es durch den Maulkorb geschafft, seine „Attacken“ auch mit Ruhe und Klarheit an sich  abprallen zu lassen. Buddy hat dann also mal die Strategie versucht, wie es ist, sich fallen zu lassen und die Entscheidung des Menschen anzunehmen. Das hat nochmal ganz viel mit dem Team gemacht. Somit war der Maulkorb in den meisten Situationen nach kurzer Zeit auch wieder überflüssig.

 

S C H N A U Z
Welche Möglichkeiten eröffnet dir ein Maulkorb im Training - ganz konkret - fachlich und praktisch? 

V A N E S S A
Konkret ist der Hund abgesichert gegen Angriffe auf den Menschen oder andere Tiere. Vor allem wenn der Hund gegen den eigenen Menschen geht, macht das was mit dem Menschen. Hier ist eine Absicherung essentiell, um das Vertrauen wiederherzustellen und den Menschen auf lange Sicht handlungsfähig zu machen. Der Mensch kann Gespräche mit dem Hund zu Ende führen und der Hund darf lernen, dass sein Mensch kompetent handeln kann, auch wenn der Hund sich verliert.

Ein anderer ganz konkreter Vorteil ist, dass ein Maulkorb Leben retten kann, theoretisch die der anderen aber auch das Leben des eigenen Hundes, wenn es darum geht, dass der Hund draußen alles frisst was er findet. 

 

S C H N A U Z
Was ist aus deiner Sicht das größte Missverständnis rund um Maulkörbe im Hundetraining?

V A N E S S A
Menschen haben Angst, wie sie bzw. ihr Hund auf andere wirkt, wenn ein Maulkorb drauf ist. Zur heutigen Zeit ist es den meisten Menschen wichtiger, was die Anderen über ihren Hund denken als über sie selbst. Die Angst, dass der Hund auf einen bösen, aggressiven Hund reduziert wird, ist groß. 

Das konkrete Missverständnis in unserer Gesellschaft, welches dem allem zu Grunde liegt, ist dass viele Menschen Aggression mit Bosheit assoziieren, und nicht mit einer absolut normalen Form von Kommunikation in der Hundewelt, welche Aggression eigentlich ist.

 

S C H N A U Z
Wenn du eine Botschaft an Hundehalter:innen richten könntest, die dem Thema Maulkorb noch skeptisch gegenüberstehen - welche wäre das?

V A N E S S A
Hunde mit Maulkörben sind nicht böse sondern abgesichert. Es ist ein vollkommen verständlicher Bestandteil im Training, wenn der Hund vom Führenden zum Geführten wird, dass er diese Entwicklung erstmal ziemlich in Frage stellt und darüber wütend wird. Diese Gefühle dürfen da sein, und der Hundehalter, der handlungsfähig bleibt, kann mit dem Hund in einen wirklich tiefen Austausch eintauchen. 

Danke, Vanessa, dass du dir die Zeit genommen hast!

Maulkörbe sind ein Werkzeug für Sicherheit, Klarheit und echtes Training. Das Gespräch mit Vanessa von Born with Paws zeigt, wie viel Ruhe und Entwicklung möglich wird, wenn Verantwortung und Fachwissen zusammenkommen.

Wer mehr über die Arbeit von Vanessa erfahren möchte schaut am besten auf ihrem Instagram Porfil vorbei oder auf der Website www.bornwithpaws.de

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